IVD-Präsident Jürgen Michael Schick fordert mehr bezahlbares Wohneigentum

geschrieben am 21.09.2017 von Klaus Peltzer

Eine „gesamtdeutsche Anstrengung“ sei notwendig, um bezahlbares Wohneigentum und sozial- verträglichen Mietwohnungsbau zu fördern, plädierte IVD-Präsident Jürgen Michael Schick Anfang Juni auf dem deutschen Immobilientag 2017 in Berlin, der mit über 1.600 Teilnehmern und 60 Ausstellern alle Rekorde brach.
„Wohnen muss Chefsache werden“, fordert Schick, mit der Kanzlerin am Steuerrad einer Agenda, „an der alle Akteure beteiligt sind.“
„Wir brauchen in Deutschland eine Eigentumsquote von 50 Prozent und fast 1,5 Millionen neue Wohnungen“, dies sei nicht mit einer „Politik der kleinen Schritte“ getan, so Schick. (Info: Aktuelle Ergebnisse des Deloitte Property Index haben gezeigt, dass Deutschland mit 54,3 Prozent den höchsten Mietanteil in Europa hat.) Vermögensaufbau über die eigenen vier Wände müsse auch für mittlere Einkommen sowie Familien mit Kindern realisierbar sein. Dass dies nicht der Fall ist, führt der IVD-Präsident auf die in seinen Augen misslungene Reform des Mietrechts von 2015 zurück. „Einige Politiker denken noch immer, gegen Wohnungsknappheit könnte eine immer schärfere Preisregulierung helfen. Dabei entsteht dadurch keine einzige neue Wohnung. Und nur darauf kommt es an“, argumentierte Schick.

„Überregulierung würgt Investitionen ab“


Die einzig sinnvolle Lösung des Wohnungsengpasses sei, das Angebot zu vergrößern. Dieses Ziel sei aber durch eine verschärfte Mietpreisbremse, strengere Ökovorgaben - mit immer geringerem Nutzen für die Umwelt - nicht zu erreichen, so der IVD-Präsident. Die Überregulierung führe dazu, dass dringend benötigte Investitionen in den Bestand und Neubau von Mietwohnungen abgewürgt würden.

„Nur die niedrigen Zinsen halten die Anleger noch am Wohnungsmarkt“, hatte Schick in einem Interview mit der „Welt“ erläutert. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch die geplante Herabsetzung der Modernisierungsmieterhöhung von elf auf acht Prozent als Schritt in die falsche Richtung: „Damit werden der altersgerechte Umbau und die energetische Sanierung der deutschen Wohnungsbestände quasi unmöglich“, kritisierte der Immobilienökonom.

Die Verlängerung des Betrachtungszeitraumes zur Ermittlung ortsüblicher Vergleichsmieten von vier auf acht Jahre bezeichnete Schick als „Mietspiegelmanipulationsgesetz“. „Sollten diese Pläne umgesetzt werden, dann würden die Bestandsmieten in Deutschland effektiv eingefroren“, befürchtet der IVD-Präsident.

Durch solche Maßnahmen würden Investoren aus dem Markt vertrieben, die wir aber dringend bräuchten. „Denn diejenigen, die heute überhaupt neue Wohngebäude errichten und damit die Wohnungsnot entschärfen, sind zu 85 Prozent private Unternehmen“, betonte der IVD-Chef.

Kleine und mittlere Einkommen fördern


Schick fordert ein Umdenken in der Immobilienpolitik. Das Problem städtischen Wohnungsmangels ließe sich nicht durch immer neue Preisregulierungen lösen. Bezahlbares Wohneigentum zu fördern, sei - nicht zuletzt hinsichtlich der drohenden Rentenlücke - eine gesellschaftspolitische Aufgabe. „Wir wollen, dass kleinen und mittleren Einkommen ein Zuschuss beim Eigenkapital gewährt wird. Zudem sollte die Grunderwerbsteuer für Ersterwerber von Wohneigentum ausgesetzt werden“, zeigte Schick sich kampfbereit. Zustimmung erntete er bei den Inhabern und Chefs der rund 6.000 Mitgliedsfirmen, Mitarbeitern und Verwaltern, die zum Deutschen Immobilientag 2017 eingeladen waren.

Die geladenen Politiker hingegen ließen sich kurzfristig entschuldigen. 

Bundesbauministerin Barbara Hendrix (SPD) entsandte immerhin ihren Staatssekretär Gunther Adler, der neben dem Verweis auf die Erfolge der Bundesregierung bei der Wohnungsneubauförderung auch Selbstkritik äußerte: „In vielen Bereichen haben die zwischen den Parteien erzielten Kompromisse Potenzial ungenutzt gelassen“, bekannte Adler. „Die zahlreichen Standards und Normen dürfen den Wohnungsbau nicht ausbremsen.“ Vielmehr müsse man prüfen, ob das alles nötig sein, um qualifizierten Wohnraum garantieren zu können. 
Mittelfristig werde eine Musterbauordnung für alle Bundesländer angestrebt.

Quellen: Immobilienverband IVD, welt.de, www2.deloitte.com, haufe.de, immonewsfeed.de

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